Portrait der Schriftstellerin

Antje Rávic Strubel (geb. 1974) lebt und arbeitet als Schriftstellerin in Potsdam. Nach dem Abitur machte sie in Berlin eine Ausbildung zur Buchhändlerin, bevor sie an der Universität Potsdam und der New York University Literaturwissenschaften, Amerikanistik und Psychologie studierte und 2001 ihr Studium abschloß. In New York arbeitete sie als Beleuchterin an einem Off-Off-Theater in Greenwich Village, das später zum Schauplatz ihres ersten Romans „Offene Blende“ wurde. Mit Erscheinen des Buches entschied sie sich für einen Autorinnamen; sie ergänzte ihren bürgerlichen Namen um den Namen Rávic, der eine Erfindung ist. Er bezeichnet eine weitere Identität, die ihrer Person während des Schreibens zukommt.

Während des Studiums schrieb Antje Strubel für die Potsdamer Neuesten Nachrichten und die Berliner Seiten der FAZ, kuratierte die Lyrikreihe "Wassergescheitelt " für das Brandenburgische Literaturbüro Potsdam und gründete gemeinsam mit Tobias Rausch das Europäische Festival für Junge Dramatiker „Interplay“, das mittlerweile vom Kinder-und Jugendtheaterzentrum Frankfurt/Main weitergeführt wird.

2001 erhielt sie bei den Klagenfurter Literaturtagen den Ernst-Willner-Preis, noch im selben Jahr erschien das zweite Buch, der Episodenroman „Unter Schnee“. Sie begann als Rezensentin von amerikanischer und skandinavischer Literatur für den Deutschlandfunk zu arbeiten. Für die 2002 gegründete Edition im Mare-Buchverlag schrieb sie den Kurzroman „Fremd Gehen. Ein Nachtstück“, ein hoffmanesker Thriller, in dem die Zeit rückwärts geht und Erzählebenen ineinanderfließen wie die Perspektiven bei M.C. Escher.

Am Deutschen Literaturinstitut Leipzig unterrichtete sie 2003/04 und 2010/11. Ihre Seminare beschäftigten sich mit der Leerstelle im Text als Mittel der Spannungserzeugung und mit Liebeskonzepten in der Literatur.

In ihrem Roman „Tupolew 134“, der sich auf den realen Fall der Entführung einer polnischen Linienmaschine durch DDR-Bürger im Sommer 1978 stützt, fragt sie nach den Mechanismen von Erinnerung, nach den Bedingungen von Wahrheit und beschäftigt sich mit einem in all ihren Büchern zentralen Thema: Menschen im Versuch, aus ihrem als begrenzt empfundenen Leben auszubrechen. „Sobald der Roman sich entfaltet und in feste Bahnen zu laufen droht, sobald eine Sicherheit über sein Personal, über bestimmte Situationen oder Handlungsverläufe entsteht, zerfällt der Text. Er unterläuft die Hoheit einer Perspektive mit einer anderen, ersetzt eine Behauptung durch konträre andere und zeigt die Unzuverlässigkeit der ganzen Geschichte.“

Nach einem Stipendium in der Villa Aurora, Los Angeles, folgten verschiedene längere Aufenthalte in Kalifornien, die Strubel unter anderem auf den Spuren der aus Sacramento stammenden Autorin Joan Didion verbrachte, deren Essays und deren Roman „Das Jahr magischen Denkens“ sie übersetzte und die für ihr Schreiben eine wichtige Rolle zu spielen begann.

Die Sommer verbrachte sie häufig in Schweden; das eine Art Sehnsuchtsland geworden ist und in dem sie vorübergehend ein Sommerhaus besaß. Nicht nur in „Fremd Gehen. Ein Nachtstück“ schwingt Schweden im Hintergrund mit. Der 2007 erschienene Roman „Kältere Schichten der Luft“ spielt in einem Kanu-Camp in Dalsland an der schwedisch-norwegischen Grenze. In diesem Liebesroman werden zentrale Kategorien, auf denen unsere Selbstdefinitionen beruhen, verunsichert: Alter und Geschlecht, Wirklichkeit und Fiktion. Es ist ein Buch darüber, daß Wirklichkeit letztendlich immer nur durch den Widerstand beweisbar ist, den sie uns entgegenbringt. Für die Reihe Gebrauchsanweisungen im Piper-Verlag schrieb Strubel eine Hommage an Schweden.

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